Dem Hund apportieren beibringen

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Unterschiede zwischen Apportieren und Stöckchenwerfen

Stöckchen oder Bälle werfen ist bei Hundehaltern äußerst beliebt. Es sorgt für eine willkommene Abwechslung beim Gassigehen. Immer wieder rasen die Hunde einem Gegenstand freudig hinterher. Manchmal bringen sie ihn sofort zurück, manchmal kauen sie jedoch erst darauf herum oder rennen einfach weg damit. Ein zuverlässiges Zurückbringen ist selten gegeben. Natürlich möchte man auf der einen Seite dem Hund nicht den Spaß verderben, auf der anderen Seite wird jedoch die Chance vergeben, ein wenig Hundeerziehung beim Spiel einzubeziehen. Außerdem kann es sehr förderlich für die Beziehung sein, nicht nur der Bällewerfer zu sein, sondern mit seinem Hund aktiv zu arbeiten und sich interessant zu machen. Zudem besteht die Gefahr, dass man seinem Hund antrainiert, blindlings jedem sich bewegenden Gegenstand hinterherzurennen. Bei wenig folgsamen Hunden erhöht sich dadurch die Gefahr, dass sie zum Beispiel Radfahrer verfolgen. Spätestens dann ist eine konsequente Erziehung erforderlich, bei der professionell durchgeführtes Apportieren hilfreich sein kann.

Apportieren lernen

Jeder weiß, dass Hunde beschäftigt werden sollten. Am besten mit einer Tätigkeit, die ihnen im Blut liegt. Bei Hunderassen, die über Jahrhunderte hinweg zu Jagd eingesetzt wurden, bietet sich Apportieren an, schließlich mussten sie häufig geschossenes Kleinwild aufspüren und bringen. Doch nicht nur ehemalige Jagdhunde haben Spaß am Apportieren – viele Hunde zeigen schon sehr früh, dass dies eine ideale Freizeitbeschäftigung für sie darstellen könnte. Beobachten Sie einfach Ihren Welpen, ob er Spaß daran hat, Spielzeug aufzunehmen, herumzutragen und ihnen zu bringen. Dann sind die Voraussetzungen für das Apportieren sehr gut. Erste Übungen können ohne weiteres bereits im Alter von 8 Wochen durchgeführt werden. Loben Sie einfach jedes Aufnehmen eines Gegenstandes und belohnen Sie den Welpen mit einem Leckerli, wenn er ihn bringt. Am besten führen Sie von Anfang an ein Tauschgeschäft durch: Der Hund bringt einen Gegenstand – dafür erhält er im Austausch ein Leckerli. Wenn er das Prinzip verstanden hat, können Sie mit der Leckerligabe etwas konkreter werden, indem es die Belohnung nur noch für etwas gibt, was er auch bringen darf. Dazu gehören weder Socken noch Hausschuhe, sondern nur Spielzeug oder Apportierdummys.

Keine Lust auf Apportieren?

Mancher Hundehalter schielt neidisch auf andere, weil bei diesen das Apportieren einwandfrei funktioniert. Der eigene Hund scheint dagegen keinerlei Lust zu haben. Gelegentlich kann man machen was man will – es besteht einfach kein Interesse am Apportieren. Bei vielen klappt es dagegen, sobald genügend Motivation vorhanden ist. Lediglich einen Gegenstand von sich zu werfen und „Bring“ zu sagen, reicht selten nicht aus, weil der Hund gar nicht versteht, was von ihm gewünscht wird. Der Gegenstand muss interessant gemacht werden. Das gelingt zum Beispiel, indem er hinter dem Rücken versteckt oder über den Boden gezogen wird. Außerdem darf die verbale Aufforderung nicht zu kurz kommen. Und wenn es dann immer noch nicht klappen sollte, besorgen Sie sich am besten einen Futterdummy. Zeigen Sie Ihrem Hund, wie Sie in dem Beutel Leckerlis verstecken und seien Sie gespannt, wie er reagiert. Der ausströmende Duft hat schon viele Hunde davon überzeugt, dass dieser Gegenstand höchstes Interesse verdient. 

Mit Konsequenz zum Erfolg

Vorteile des Apportierens

Bei einem Welpen ist erst einmal alles erlaubt, um ihn ans Apportieren heranzuführen. Hauptsache er nimmt einen Gegenstand auf, hält ihn im Fang oder trägt ihn herum. Bestenfalls bringt er ihn sogar gelegentlich zurück und gibt ihn anstandslos im Tausch gegen ein Leckerli her. Damit dies keine Zufallserscheinung bleibt, sondern immer zuverlässig klappt, sollten die Übungen mit der Zeit intensiviert werden. Von Vorteil ist dabei eine störungsfreie Umgebung. Andere Hunde lenken ebenso ab, wie Lärm, spielende Kinder oder anderweitige Ablenkungen. Der Hund sollte verstehen, dass es sich so langsam nicht mehr nur um ein Spiel sondern um eine Übung handelt, die auch erzieherische Elemente beinhaltet. Außerdem soll ihm bewusst werden, wie wichtig Frauchen oder Herrchen sind. Ohne sie kein Spiel und keine Belohnung. Dieses Verständnis kann äußerst förderlich für den Zusammenhalt von Hund und Halter sein. Wer selbst uninteressant ist, tut sich mit Kommandos wie „Hier“ deutlich schwerer als ein Hundebesitzer, der sich aktiv mit seinem Hund beschäftigt.

Wichtige Regeln beim Apportieren

Der große Unterschied zwischen Stöckchenwerfen und echtem Apportieren sind die Regeln. Bei ersterem rennt der Hund oft schon los, bevor der Gegenstand geworfen wurde. Dann entscheidet er, ob und wann er ihn wieder bringt. Professionelles Apportieren ist dagegen anders aufgebaut. Es soll auch der Erziehung dienen, vor allem bei Hunden, die es mit Kommandos nicht so genau nehmen. Ungeregeltes Stöckchenwerfen kann diese Problematik noch verstärken, da sie machen dürfen was sie wollen. Genau das Gegenteil ist bei zielgerichtetem Apportieren der Fall: Sobald der Hund gelernt hat, dass es sich lohnt, einen Futterdummy oder anderen Gegenstand zu bringen, werden Regeln aufgestellt. Das mag den Hund erst einmal überraschen, aber das Verlangen nach dem gemeinsamen Spiel und der Belohnung ist oft so groß, dass er sie früher oder später akzeptiert.   

Regel 1 lautet, dass der Hund neben einem sitzen bleibt, bis er das Kommando „Bring“ erhält. Dies ist förderlich für seine „Standruhe“. Dazu kann es notwendig sein, den Hund für den Anfang anzuleinen, denn das Kommando „Sitz“ reicht oft nicht aus, ihn bei sich zu behalten. Wichtig ist die Konzentration auf den Hund und ein eher beiläufiges Werfen des Gegenstands. Die Einhaltung des Kommandos „Sitz“ (trotz eines Reizes) ist eine wichtige Erziehungshilfe bei Hunden, die nicht hören wollen. Sie befinden sich nun in einer Zwickmühle. Eine Belohnung gibt es nämlich von nun an nur noch, wenn sie gehorchen. Wenn sie merken, dass die Nichteinhaltung des Kommandos keine Leckerlis mit sich bringt, werden sie (hoffentlich) umdenken. Dieser Schritt ist nicht einfach, aber sehr wichtig. Er verdeutlicht dem Hund, dass die Einhaltung gewisser Regeln notwendig ist, um die Belohnung zu erhalten. Außerdem sorgt er dafür, dass eine Kommunikation und verstärkte gegenseitige Aufmerksamkeit zwischen Hund und Halter stattfindet.  

Regel 2 beim Dummytraining lautet, dass der Hund den Gegenstand zuverlässig bringt und nicht damit stiften geht. Gefolgt von Regel 3, das Spielzeug oder den Futterdummy zu übergeben und im Idealfall in die offene Hand des Halters fallen zu lassen. Dann gibt es im Gegenzug sofort die Belohnung. Dass dies alles nicht von Anfang an zwingend klappt ist klar. Keinesfalls sollte geschimpft werden, was den Spaß am Apportieren schnell verfliegen lassen könnte. Jeder neu geforderte Schritt muss erst einmal vom Hund verstanden werden, bevor er ihn erfolgreich umsetzen kann. Haben Sie Geduld und entscheiden Sie individuell, wie Sie jeweils reagieren. Lässt der Hund den Dummy irgendwo fallen, nehmen Sie ihn am besten wortlos auf. Klappt das Kommando zum Teil, genügt vielleicht auch „nur“ ein Lob. Bei einem Fortschritt oder einer komplett erfolgreichen Umsetzung ist ein Leckerli dagegen Pflicht.

Apportieren für Profis

Manche Hunde lernen das Apportieren nie, andere können gar nicht genug davon bekommen und wünschen sich schon bald größere Herausforderungen. Am Anfang lässt man den zu apportierenden Gegenstand möglicherweise lediglich fallen, entfernt sich ein paar Meter und fordert den Hund auf, ihn zu bringen. Dann kann man ihn immer weiter werfen und den Hund zum Bringen auffordern. Noch schwieriger wird es, wenn die Wiese etwas höher ist und kein sofortiger Sichtkontakt gegeben ist. Außerdem können mehrere Dummys eingesetzt werden und der Hund wird nacheinander per Armbewegung zum Holen aufgefordert. Das gelingt aber nur mit viel Training und einem apportierfreudigen Hund. Manche sind sogar in der Lage, zuhause die Spielsachen zusammenzusammeln und in einen Korb zu räumen. Apportieren ist daher nicht nur eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung, sondern bringt vielerlei Vorteile.