Tiere unterm Weihnachtsbaum – warum gut gemeint nicht gut gemacht ist

Der Anblick eines kleinen Welpenoder Kätzchens, der an Heiligabend fröhlich zwischen Geschenkpapier und Lichterglanz herumtapst, scheint wie aus einem Weihnachtsfilm entnommen. Viele Familien träumen davon, ihren Lieben – vor allem Kindern – diesen Moment zu schenken. Doch Tierheime und Tierschutzvereine warnen jedes Jahr aufs Neue: Tiere sind keine Weihnachtsgeschenke.
Was gut gemeint ist, endet nicht selten in einer Überforderung und im schlimmsten Fall im Tierheim. Es lohnt sich, genauer hinzuschauen, warum Hunde, Katzen oder andere Haustiere unter dem Weihnachtsbaum keine gute Idee sind.

Hunde und Katzen sind Lebewesen, keine Überraschungspakete

Der Gedanke, ein Tier zu Weihnachten zu verschenken, taucht in vielen Familien jedes Jahr wieder auf. Ein junger Vierbeiner unter dem Weihnachtsbaum sorgt für leuchtende Augen, Überraschung und große Gefühle. Dieses Bild ist tief in unserer Vorstellung verankert, doch es spiegelt nur einen kleinen Teil der Realität wider. Tiere sind keine Geschenke, die man einfach überreicht und anschließend „benutzt". Sie sind Lebewesen, die vom ersten Tag an Zeit, Geduld und Struktur benötigen.

Viele Tierheime berichten davon, dass spontane Tieranschaffungen besonders häufig rund um Weihnachten stattfinden. Das liegt nicht daran, dass Menschen grundsätzlich unüberlegt handeln, sondern daran, dass emotional aufgeladene Momente oft schnelle Entscheidungen begünstigen. Die Folgen zeigen sich jedoch erst nach dem Fest: Die Anforderungen eines Hundes oder Katze im Alltag wurden unterschätzt oder passten schlicht nicht in das Leben der beschenkten Person.

Weihnachten ist für Tiere kein idealer Start ins neue Leben

In der Weihnachtszeit herrscht in den meisten Haushalten ein anderes Tempo als im Rest des Jahres. Es kommen Gäste zu Besuch, es wird gekocht, gefeiert, verreist und der Tagesablauf verändert sich ständig. Für viele ist das eine schöne Abwechslung – für Hunde und Katzen, insbesondere für Welpen oder Kitten, bedeutet es Stress.

Ein Tier orientiert sich stark an Routinen. Er braucht feste Abläufe, regelmäßige Ruhephasen und Menschen, die Zeit haben, sich intensiv mit ihm zu beschäftigen. All das ist in den Tagen rund um Weihnachten selten gewährleistet. Ein Welpe oder Kitten, das gerade sein gewohntes Umfeld verlassen hat, muss nun zusätzlich mit Lärm, wechselnden Stimmungen und Unruhe klarkommen.

Typische Schwierigkeiten zu Weihnachten

  • Wenig Ruhe durch Familienfeiern und Besuche

  • Unklare Tagesabläufe, die das Training erschweren

  • Viele neue Eindrücke, die Tiere überfordern können

  • Weniger Zeit, sich auf die grundlegenden Bedürfnisse des Hundes oder der Katze zu konzentrieren

Ein Start in solchen Umständen kann den gesamten Einstieg in die Tierhaltung ungewollt erschweren. Hunde und Katzen, die in einer ruhigen Phase einziehen, finden sich deutlich schneller zurecht und zeigen später meist stabilere Verhaltensweisen.

Warum so viele „Weihnachtsgeschenk-Tiere“ später im Tierheim landen

In den Wochen nach dem Jahreswechsel sind die Tierheime besonders belastet. Immer wieder werden Tiere abgegeben, die „spontan“ zu Weihnachten angeschafft wurden. Die Gründe ähneln sich jedes Jahr:

  • Überforderung: Ein junges Tier fordert viel Aufmerksamkeit, Zeit und Geduld – mehr, als vorher bedacht wird. Kombination aus Beruf, Kindern, Freizeit und einem neuen tierischen Familienmitglied sorgt für Überforderung

  • Fehlende Absprache: Oft wussten nicht alle Familienmitglieder von dem Geschenk oder waren gar dagegen.

  • Unpassender Zeitpunkt: Zwischen Feiertagsstress, Besuchen und Reisen bleibt kaum Zeit für eine stabile Eingewöhnung.

  • Unrealistische Erwartungen: Das vermeintlich perfekte Familienbild kollidiert mit der Realität eines anstrengenden Welpen oder anstrengenden Kitten.

Das Ergebnis: Für die Tiere bedeutet eine Rückgabe eine starke Verunsicherung. Sie haben sich in den ersten Tagen bereits an ihre Bezugsperson gebunden und müssen plötzlich vieles erneut durchleben: neue Umgebung, neue Menschen, neue Geräusche. Ein instabiler Start kann langfristige Auswirkungen auf das Verhalten haben – beispielsweise erhöhte Nervosität, schlechte Stressbewältigung oder Unsicherheiten in neuen Situationen.

Ein Jungtier stellt hohe Anforderungen – die viele unterschätzen

Wer zum ersten Mal einen Tier aufnimmt, ist häufig überrascht, wie zeitintensiv die ersten Wochen und Monate sind. Welpen und Kitten benötigen in dieser Phase besonders viel Unterstützung und Aufmerksamkeit.

 

Einige typische Herausforderungen:

Stubenreinheit

Jungtiere brauchen in den ersten Wochen besonders viel Unterstützung im Bereich der Stubenreinheit. Während Welpen sehr häufig hinaus müssen – oft alle zwei bis drei Stunden und auch nachts – lernen junge Katzen zunächst, das Katzenklo zuverlässig zu nutzen. Beide Prozesse erfordern Geduld, Konsequenz und eine ruhige Umgebung, damit das Tier sich gut zurechtfindet.

Erziehung und Sozialisation

Ein Jungtier muss lernen, mit Menschen, Artgenossen, Geräuschen und alltäglichen Situationen umzugehen. Diese frühe Phase der Entwicklung ist entscheidend dafür, wie sicher, sozial und ausgeglichen es sich später verhält.

Begleitung im Alltag

Junge Hunde sollten in den ersten Monaten kaum allein gelassen werden. Das Training des Alleinbleibens muss langsam und schrittweise aufgebaut werden, damit sie lernen, kurze Trennungsphasen entspannt zu bewältigen.
Junge Katzen hingegen reagieren oft flexibler auf kurze Abwesenheiten, benötigen jedoch ebenfalls eine sichere Umgebung und ausreichend Beschäftigung, damit sie nicht aus Langeweile oder Unsicherheit unerwünschte Verhaltensweisen entwickeln.

Ernährung und Gesundheit

Regelmäßige Tierarztbesuche, Futterumstellungen oder Impfungen sind normal – und kosten Zeit und Geld.

 

Diese Punkte zeigen:

Der Alltag mit einem Jungtier ist intensiv und verlangt von allen Beteiligten Bereitschaft, Zeit und Ruhe. Ein hektischer Start während der Feiertage ist daher selten ideal.

Warum ein Hund oder Katze als Überraschungsgeschenk selten funktioniert

Auch wenn der Wunsch nach einem Haustier – ob Hund oder Katze – schon länger besteht, sollte die Anschaffung niemals überraschend erfolgen. Eine Überraschung nimmt der beschenkten Person die Möglichkeit, sich bewusst vorzubereiten und zu prüfen, ob das Tier wirklich in den Alltag passt. Ein Tier verändert das Leben langfristig – und auf diese Verantwortung muss man vorbereitet sein.

Viele Konflikte nach Weihnachten entstehen, weil grundlegende Fragen nicht im Vorfeld geklärt wurden. Wer übernimmt die Betreuung? Wer kümmert sich um Fütterung, Tierarzttermine und Beschäftigung? Wie wird der Alltag organisiert, wenn das Tier krank ist oder mehr Aufmerksamkeit benötigt? Solche Punkte sollten unbedingt vor dem Einzug besprochen werden.

Ein weiteres häufiges Problem entsteht, wenn Tiere rein nach ihrem Aussehen ausgewählt werden. Ein niedliches Jungtier – ob Welpe oder Kitten – ist nicht automatisch leicht zu halten. Sowohl Hunderassen als auch Katzenrassen (und ebenso Mischlinge) haben unterschiedliche Anforderungen an Haltung, Beschäftigung und Umgebung. Ein Überraschungsgeschenk lässt keine Zeit, diese Bedürfnisse zu prüfen und ein Tier auszuwählen, das wirklich zur Lebenssituation passt.

 

Wie eine gute Vorbereitung aussehen kann

Eine Haustieranschaffung sollte Schritt für Schritt erfolgen. Dazu gehört:

1. Gemeinsame Entscheidung 

Alle Familienmitglieder müssen zustimmen und bereit sein, Verantwortung zu übernehmen.

2. Realistische Einschätzung der eigenen Lebenssituation 

Arbeitszeiten, Freizeit, Urlaubsplanung, Wohnumfeld und Finanzen spielen eine entscheidende Rolle.

3. Fachliche Beratung 

Tierheime, Tierärztinnen sowie Hunde- oder Katzenexpertinnen (z. B. Trainer, Verhaltensberater) helfen dabei, das passende Tier zu finden und typische Fehler bei der Auswahl und Haltung zu vermeiden.

4. Auswahl eines geeigneten Zeitpunkts 

Ein Einzug nach den Feiertagen – wenn Ruhe eingekehrt ist – ist meist deutlich einfacher und angenehmer für alle Beteiligten.

 

Im Idealfall trifft man die Entscheidung bewusst, plant die ersten Wochen sorgfältig und nimmt sich ausreichend Zeit für die Eingewöhnung. So entstehen harmonische Mensch-Hund-Beziehungen, die ein Leben lang tragen.

Weihnachten kann trotzdem eine Rolle spielen für die Tier Beschaffung

Weihnachten kann dennoch ein geeigneter Anlass sein, um den Start einer zukünftigen Tierhaltung einzuleiten. Viele Familien nutzen die Feiertage, um sich gemeinsam auszutauschen, Informationsmaterial zu verschenken oder erste Anschaffungen vorzubereiten – ganz ohne, dass ein Tier direkt einzieht. So bleibt genug Zeit, sich gut vorzubereiten und eine verantwortungsvolle Entscheidung zu treffen.

Sinnvolle Alternativen zu einem Haustier als Weihnachtsgeschenk

  • Bücher über Hunde- oder Katzenhaltung

  • Zubehör wie ein Hundebett, Hundeleine, eine Transportbox oder ein Kratzbaum

  • Gutscheine für Beratungsgespräche

  • Die gemeinsame Verabredung, nach den Feiertagen passende Tiere im Tierheim kennenzulernen

Diese Möglichkeiten verbinden Vorfreude mit einem verantwortungsvollen Umgang und vermeiden stressige Situationen für das Tier.

Fazit: Tiere gehören nicht unter den Weihnachtsbaum

Ein Haustier ist ein wertvolles Familienmitglied – kein kurzfristiges Geschenk für einen besonderen Moment. Die Weihnachtszeit bietet aufgrund ihrer Unruhe und fehlenden Struktur nur selten die Voraussetzungen für einen gelungenen Start ins gemeinsame Leben. Wer einem Hund oder einer Katze ein Zuhause geben möchte, sollte dies bewusst, gemeinsam und gut vorbereitet tun. So kann aus dem Wunsch nach einem tierischen Begleiter eine langfristig glückliche Beziehung entstehen, die für Mensch und Tier stimmig ist.

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